LOTTO Magazin, Reportage, Juli 2011, Print


Illuminati


Ein mittelalterliches Sprichwort behauptet, Gott lasse die Sonne gleichmässig über Gerechte und Ungerechte scheinen. Wer auch immer das gesagt hat, hat Viganella wohl vergessen. Eine Geschichte über Schatten, Licht und die menschliche Suche nach Erleuchtung.


Von Adrian Witschi
(Deutsche Originalfassung)


Viganella ist ein kleines, dunkles Bergdorf im nördlichen Piemont. Erleuchtete Menschen erwartet man hier wahrlich nicht. Umringt von bis zu tausend Meter hohen Bergflanken fristen die knapp 200 Einwohner Viganellas vom 11. November bis zum 2. Februar jeden Jahres ein beängstigendes Schattendasein. Während 83 Tagen erreicht kein einziger Sonnenstrahl die alten Steinmauern der rührenden Rusticohäuser.


Die Gnadensonne


Dem war zumindest bis am 17. Dezember 2006 so. An besagtem Tag erlöste ein kleines Mädchen namens Alba (dt.: Morgendämmerung) die bleichen Dorfbewohner aus ihrer Schattenexistenz. Blass und schüchtern stand sie auf der überfüllten Piazza, schielte erwartungsvoll unter ihrer regenbogenfarbenen Strickmütze hervor und betätigte den Hauptschalter des Computers, welcher fortan den Spiegel lenken würde. Dieser Spiegel ist aus rostfreiem Stahl, 8 mal 5 Meter gross und befindet sich auf einem Bergrücken nördlich von Viganella. Gesteuert durch den oben erwähnten Rechner, folgt er täglich dem Lauf der Sonne und spiegelt nun seit gut 4 Jahren ihr Licht auf den Dorfplatz hinunter. 100'000 Euro hat diese materialisierte Erleuchtung gekostet und bezahlt haben sie vor allem lokale Banken. In den Medien finden sich diverse Bilder, auf welchen vergnügte Menschen mit dicken, schwarzen Sonnebrillen auf der Piazza sitzend ins gespiegelte Sonnenlicht lächeln. Vor Ort bietet sich einem ein anderes Bild. Der Dorfplatz ist wie leergefegt und das reflektierte Licht kalt, milchig und lieblos. Schaut man zum Spiegel hoch, wird man das Gefühl nicht los, irgendein übelgesinnter Bergriese zünde einem mit einer überdimensionierten Taschenlampe in die werten Augen. Von der „merklichen Erwärmung des Platzes“, wie sie auf Wikipedia angepriesen wird, ist ebenfalls wenig zu spüren. Sergio Bionda, Pensionär und leidenschaftlicher Ziegenhalter, ist seit 52 Jahren Einwohner von Viganella. Er misst regelmässig die Temperatur auf dem erhellten Platz und auch er konnte bis anhin keine nennenswerte Erwärmung feststellen. Dennoch freut er sich über den Spiegel und das wenige Licht, welches dieser ins dunkle Dorf bringt. Wieso genau, kann er nicht sagen. Viel scheint sich im Alltag der Viganeller seit Errichtung des Spiegels nicht verändert zu haben. Auch Maria Teresa, eine ortsansässige Hausfrau wirkt entgegen ihrem epochalen Namen nicht allzu euphorisch. Eine gute Sache sei es schon, es kämen jetzt mehr Touristen hierhin, räsoniert sie. Weder in ihrem täglichen Leben noch in der Dorfstruktur hätte sich aber allzu viel verändert.


Licht als Leben


Das Spiegelprojekt mag wohl praktische Motivationen gehabt haben. Der Bekanntheitsgrad des Dorfes sollte zunehmen, das soziale Leben im Ort während den Wintermonaten aufgefrischt und die Lebensqualität der Einheimischen verbessert werden. Auf einer etwas abstrakteren Ebene steht das Ganze jedoch in der religions- und philosophiegeschichtlichen Tradition des Strebens der Menschen nach Licht. Sonnenverehrungen waren fester Bestandteil zahlreicher alter Kulturen. Von den Ägyptern und Persern über die Mayas und Inkas bis hin zu den Kelten und Germanen. Sie alle wussten um die schöpferische Kraft des Sonnenlichtes und beteten folgerichtig um die Gunst des feurigen Sterns. Der altägyptische Pharao Echnaton ging dabei sogar soweit, dass er die bis dahin anerkannte Existenz eines Gegenspielers zum Sonnengott Aton vehement negierte. Er liess den Namen Amun, Gott der Finsternis, im ganzen Land ausmeisseln. Zwar wurde die Verehrung der Sonne in der Bibel verboten, doch ihr Licht, verstanden als Werk Gottes, spielt auch im Christentum seit jeher eine wichtige Rolle. Gleich nach Himmel und Erde schuf Gott Licht und er „sah, dass das Licht gut war.“ Das neue Testament leuchtet ebenfalls an allen Ecken und Enden. Sowohl im Text als auch in der religiösen Historienmalerei wird Jesus oft als Licht dargestellt. Doch nicht nur Priester und Gläubige, sondern auch Philosophen und Literaten streben traditionellerweise nach Licht. Thematisiert wird bei ihnen jedoch nicht mehr das natürliche Licht (Lux), sondern das geistige (Lumen). Kant und Lessing sprachen im Zuge der Aufklärung vom „Licht der Erkenntnis“ und manch anderem hellen Denkerkopf ist in seiner dunklen Stube über verstaubten Büchern ein Licht aufgegangen. Die Menschen begehren das Licht! Licht ist Leben, Schöpfung, Orientierung und Wahrheit. Mit ihrem Spiegel haben die Viganeller versucht, diesen Werten einen Schritt näher zu kommen.


Bordo, Buddhisten und der Bürgermeister


Der Pfad von Viganella nach Scajola, wo der Spiegel auf einem Felsvorsprung thront, ist alt, steinig und nur zu Fuss begehbar. Feuersalamander jagen Smaragdeidechsen, die Bäume erinnern an Fabelwesen und bei Sonnenuntergang meint man hören zu können, wie sich Gandalf und Harry Potter gute Nacht sagen. Hier, am vermeintlichen Ende der Welt und auf halbem Weg nach Scajola, liegt Bordo. Das kleine Dorf besteht aus knapp 20 Natursteinhäusern und einer im Zerfallen begriffenen, entweihten Kirche. Schmiedeiserne Türriegel erinnern an die Zeit der Meiler und Schmelzöfen, in welchen hier während Jahrhunderten erfolgreich Eisen gewonnen wurde. Bordo befindet sich – im Gegensatz zu Viganella – oberhalb der Schattengrenze und an klaren Wintertagen zeichnet die Sonne bis spät am Nachmittag verlebte Schattengesichter auf die zerfurchten Holztüren. Dennoch streben auch die Menschen hier nach Licht und Erleuchtung. Gesegnet mit Lux im Überfluss, ist es vor allem das geistige Licht, welches sie zu erlangen begehren. Was den Viganellern ihr Spiegel ist, ist den Bewohnern von Bordo ihre Stupa. Umringt von farbigen Gebetsflaggen ragt sie weiss und weise zwischen den grauen Trockensteinmauern hervor. Bordo ist kein gewöhnliches Dorf, es ist eine buddhistische Gemeinschaft. In den achtziger Jahren wurde es als verlassenes Bergdorf von einer Gruppe gesellschaftsmüder Aussteiger aus den Nachbarsländern gefunden und in eine Kommune mit buddhistischer spiritueller Grundausrichtung umfunktionalisiert. Seither hat es da Frauen, die Mantras auf tibetanisch vorsingen und durch Muscheln pfeifen, weissgekleidete Männer mit langen grauen Haaren und seeligem Blick und einen Lama, der Luigi heisst. Bordo ist Mitglied einer internationalen Organisation buddhistischer Zentren, welche sich „Bodhi Path“ nennt. Übersetzt heisst das so viel wie „Weg der Erleuchtung“. Im Unterscheid zur christlichen Erleuchtungserfahrung, welche als Vereinigung mit Gott, als Unio mystica dargestellt wird, kann der Buddhist die Erleuchtung ohne Existenz eines Gottes erlangen. Er muss bloss die Ursachen des eigenen Leidens aus seinem Geist entfernen. Natürlich ist dieses Unterfangen nicht ganz so einfach. Felice, ein charismatischer Mann schweizerischer Herkunft, arbeitet seit 31 Jahren hier in Bordo an seiner persönlichen Erleuchtung. Menschenscheu und verwildert huscht er durch eine der kleinen Gassen. Sprechen tut er nicht so gern und deshalb übernimmt Edith den kommunikativen Teil. Sie ist seit 9 Jahren hier und ist neben Felice die einzige, welche auch die Wintermonate in Bordo verbringt. Sie erzählt von ihrem gemeinnützigen Verein „Amici a Bordo“, welcher unter anderem das soziale, künstlerische und spirituelle Wachsen sowohl der Bewohner als auch der Besucher von Bordo fördern möchte.
Der Zufall will es, dass heute einer dieser Besucher Pierfranco Midali ist. Ein 47-jähriger Italiener dessen kindliche Umtriebigkeit selbst Peter Pan verblüffen dürfte. Er ist nicht zum wachsen gekommen, sondern um sein leicht eingerostetes Französisch im Dialog mit Edith etwas aufzufrischen. In 3 Tagen kämen französische Journalisten und dann müsse er bereit sein, sagt er mit leuchtenden Augen. Midali ist ehemaliger Bürgermeister von Viganella und Vater des Spiegelprojekts. Von der anfänglichen Idee bis zur Inbetriebnahme des Spiegels geschah alles unter seiner Führung. Die Einladung, ihn in seiner Wohnung zu besuchen, nehme ich dankend an.


Ein Dorf von Depressiven?


„Franco“ ruft Midalis Frau und bittet ihn das grosse, mit rotem Samt eingefasste Buch auf die Seite zu legen. Es sei jetzt Zeit für Kaffee. Sie bringt die Espressi und eine Korbflasche mit lokalem Grappa. Die Wohnung des Bürgermeisters liegt gleich neben der Piazza in Viganella. Das Haus ist in optimistischem Rosa gehalten. Im Inneren flackert ein schwaches Feuer in einem dieser modernen Gusseisenöfen und über der etwas in die Tage gekommenen Couch stappeln sich bunte Stofftiere. Midali schiebt die Kaffeetassen zur Seite, holt das Buch wieder hervor, schlägt es auf und beginnt zu erzählen. Die ganze Medienpräsenz des Spiegelprojekts sei in diesem Buch gesammelt. Das Buch ist mehrere hundert Seiten dick. Er zeigt auf einen Artikel, in welchem ein gewisser Professor Pagnamenta, Kinderarzt und praktizierender Farbpunkteur erwähnt wird. Dieser Professor habe ihm eine seiner Studien zum Thema Lichtmangel geschickt. Lichtmangel kann erwiesenermassen zu vorübergehenden depressiven Störungen führen. In der Psychopathologie werden dafür oft die Begriffe SAD (Seasonal Affectiv Dissorder) oder Herbst/Winterdepression verwendet. Sonnenlicht hat einen immensen Einfluss auf den Melatoninspiegel und somit auf die gesamte Chronobiologie eines Menschen. Das blaue Spektrum des Sonnelichts aktiviert beim Auftreffen auf die Netzhaut Rezeptoren, welche ihrerseits die Melatoninausschüttung hemmen. Melatonin ist das „Müdigkeitshormon“. Wer also wenig Sonne sieht, hat einen hohen Melatoninspiegel und fühlt sich daher ständig müde und matt. Auf Pierfranco Midali trifft dies in keinster Weise zu. Er scheint bis obenhin vollbepackt mit Lebensfreude und inbrünstigem Optimismus. Die Suche nach therapeutischen Tageslichtlampen und Lichtweckern dürfte aber auch in den anderen Häusern Viganellas erfolglos verlaufen. „Die Menschen hier sind nicht trauriger als anderswo“ sagt Midali „und wenn sie die Sonne zu sehr vermissen, dann steigen sie einfach die Hänge hoch, bis sie die Schattengrenze passiert haben.“


Finale Erleuchtung


„Der tatsächliche Nutzen des Spiegels ist beschränkt, das wussten wir schon immer“ konstatiert der Bürgermeister. Behutsam, als wären die Seiten aus sprödem Pergament, blättert er weiter in seinem Buch. „Eine der ersten internationalen Zeitungen, die über unser Projekt berichtete, war der Guardian“, bemerkt er stolz und deutet auf den Artikel. Mit jeder Seite, die Midali umblättert, wird klarer, worum es in dem Spiegelprojekt eigentlich ging. CNN, Herald Tribune, Time Magazine, Süddeutsche Zeitung, der spanische Botschafter, holländische Fotografen, tschechische Zeitungen und japanische Fernsehteams. Sie alle waren hier und haben berichtet. Die Journalisten der BBC haben sogar einen Helikopter gemietet und sich zum Spiegel hochfliegen lassen. „Wir wollten Viganella in der Welt bekannt machen“, sagt Midali und zeigt auf ein Pressefoto, auf welchem er neben einer iranischen Al-Jazeera Journalistin stehend in die Kamera strahlt. „Aber wir wollten vor allem den Menschen hier in Viganella die Welt zeigen. Es ging mir um den Diskurs, um den kulturellen Austausch“, sagt er und erzählt, wie faszinierend es gewesen sei, den japanischen Journalisten beim Schreiben zu zuschauen. „Ich wollte die verschiedenen Kulturen der Welt nach Viganella bringen. Den Leuten hier zeigen, dass es andere Menschen mit anderen Ideen, Vorstellungen und Lebensentwürfen gibt“. „Das klingt nach Erleuchtung“, sage ich, „Erleuchtung, genau, es geht um Erleuchtung!“ wiederholt Midali und stösst einen dieser verrückten Lacher aus, die einem ermutigen, ausserhalb der Normen zu denken und Dinge zu versuchen, welche auf den ersten Blick fantastisch und unrealistisch erscheinen. Ob er irgendwo ähnliche Projekte gefunden habe, von denen er sich habe inspirieren lassen können, frage ich abschliessend. Er habe nur ein vergleichbares Projekt gefunden, bei welchem Sonnenlicht gespiegelt wird, sagt er, „Nel Topolino“, in einem Micky Mouse-Heft.


PDF Download



<< zurück


 

LOTTO Magazin, Reportage, Juli 2011, Print


Illuminati


Ein mittelalterliches Sprichwort behauptet, Gott lasse die Sonne gleichmässig über Gerechte und Ungerechte scheinen. Wer auch immer das gesagt hat, hat Viganella wohl vergessen. Eine Geschichte über Schatten, Licht und die menschliche Suche nach Erleuchtung.


Von Adrian Witschi
(Deutsche Originalfassung)


Viganella ist ein kleines, dunkles Bergdorf im nördlichen Piemont. Erleuchtete Menschen erwartet man hier wahrlich nicht. Umringt von bis zu tausend Meter hohen Bergflanken fristen die knapp 200 Einwohner Viganellas vom 11. November bis zum 2. Februar jeden Jahres ein beängstigendes Schattendasein. Während 83 Tagen erreicht kein einziger Sonnenstrahl die alten Steinmauern der rührenden Rusticohäuser.


Die Gnadensonne


Dem war zumindest bis am 17. Dezember 2006 so. An besagtem Tag erlöste ein kleines Mädchen namens Alba (dt.: Morgendämmerung) die bleichen Dorfbewohner aus ihrer Schattenexistenz. Blass und schüchtern stand sie auf der überfüllten Piazza, schielte erwartungsvoll unter ihrer regenbogenfarbenen Strickmütze hervor und betätigte den Hauptschalter des Computers, welcher fortan den Spiegel lenken würde. Dieser Spiegel ist aus rostfreiem Stahl, 8 mal 5 Meter gross und befindet sich auf einem Bergrücken nördlich von Viganella. Gesteuert durch den oben erwähnten Rechner, folgt er täglich dem Lauf der Sonne und spiegelt nun seit gut 4 Jahren ihr Licht auf den Dorfplatz hinunter. 100'000 Euro hat diese materialisierte Erleuchtung gekostet und bezahlt haben sie vor allem lokale Banken. In den Medien finden sich diverse Bilder, auf welchen vergnügte Menschen mit dicken, schwarzen Sonnebrillen auf der Piazza sitzend ins gespiegelte Sonnenlicht lächeln. Vor Ort bietet sich einem ein anderes Bild. Der Dorfplatz ist wie leergefegt und das reflektierte Licht kalt, milchig und lieblos. Schaut man zum Spiegel hoch, wird man das Gefühl nicht los, irgendein übelgesinnter Bergriese zünde einem mit einer überdimensionierten Taschenlampe in die werten Augen. Von der „merklichen Erwärmung des Platzes“, wie sie auf Wikipedia angepriesen wird, ist ebenfalls wenig zu spüren. Sergio Bionda, Pensionär und leidenschaftlicher Ziegenhalter, ist seit 52 Jahren Einwohner von Viganella. Er misst regelmässig die Temperatur auf dem erhellten Platz und auch er konnte bis anhin keine nennenswerte Erwärmung feststellen. Dennoch freut er sich über den Spiegel und das wenige Licht, welches dieser ins dunkle Dorf bringt. Wieso genau, kann er nicht sagen. Viel scheint sich im Alltag der Viganeller seit Errichtung des Spiegels nicht verändert zu haben. Auch Maria Teresa, eine ortsansässige Hausfrau wirkt entgegen ihrem epochalen Namen nicht allzu euphorisch. Eine gute Sache sei es schon, es kämen jetzt mehr Touristen hierhin, räsoniert sie. Weder in ihrem täglichen Leben noch in der Dorfstruktur hätte sich aber allzu viel verändert.


Licht als Leben


Das Spiegelprojekt mag wohl praktische Motivationen gehabt haben. Der Bekanntheitsgrad des Dorfes sollte zunehmen, das soziale Leben im Ort während den Wintermonaten aufgefrischt und die Lebensqualität der Einheimischen verbessert werden. Auf einer etwas abstrakteren Ebene steht das Ganze jedoch in der religions- und philosophiegeschichtlichen Tradition des Strebens der Menschen nach Licht. Sonnenverehrungen waren fester Bestandteil zahlreicher alter Kulturen. Von den Ägyptern und Persern über die Mayas und Inkas bis hin zu den Kelten und Germanen. Sie alle wussten um die schöpferische Kraft des Sonnenlichtes und beteten folgerichtig um die Gunst des feurigen Sterns. Der altägyptische Pharao Echnaton ging dabei sogar soweit, dass er die bis dahin anerkannte Existenz eines Gegenspielers zum Sonnengott Aton vehement negierte. Er liess den Namen Amun, Gott der Finsternis, im ganzen Land ausmeisseln. Zwar wurde die Verehrung der Sonne in der Bibel verboten, doch ihr Licht, verstanden als Werk Gottes, spielt auch im Christentum seit jeher eine wichtige Rolle. Gleich nach Himmel und Erde schuf Gott Licht und er „sah, dass das Licht gut war.“ Das neue Testament leuchtet ebenfalls an allen Ecken und Enden. Sowohl im Text als auch in der religiösen Historienmalerei wird Jesus oft als Licht dargestellt. Doch nicht nur Priester und Gläubige, sondern auch Philosophen und Literaten streben traditionellerweise nach Licht. Thematisiert wird bei ihnen jedoch nicht mehr das natürliche Licht (Lux), sondern das geistige (Lumen). Kant und Lessing sprachen im Zuge der Aufklärung vom „Licht der Erkenntnis“ und manch anderem hellen Denkerkopf ist in seiner dunklen Stube über verstaubten Büchern ein Licht aufgegangen. Die Menschen begehren das Licht! Licht ist Leben, Schöpfung, Orientierung und Wahrheit. Mit ihrem Spiegel haben die Viganeller versucht, diesen Werten einen Schritt näher zu kommen.


Bordo, Buddhisten und der Bürgermeister


Der Pfad von Viganella nach Scajola, wo der Spiegel auf einem Felsvorsprung thront, ist alt, steinig und nur zu Fuss begehbar. Feuersalamander jagen Smaragdeidechsen, die Bäume erinnern an Fabelwesen und bei Sonnenuntergang meint man hören zu können, wie sich Gandalf und Harry Potter gute Nacht sagen. Hier, am vermeintlichen Ende der Welt und auf halbem Weg nach Scajola, liegt Bordo. Das kleine Dorf besteht aus knapp 20 Natursteinhäusern und einer im Zerfallen begriffenen, entweihten Kirche. Schmiedeiserne Türriegel erinnern an die Zeit der Meiler und Schmelzöfen, in welchen hier während Jahrhunderten erfolgreich Eisen gewonnen wurde. Bordo befindet sich – im Gegensatz zu Viganella – oberhalb der Schattengrenze und an klaren Wintertagen zeichnet die Sonne bis spät am Nachmittag verlebte Schattengesichter auf die zerfurchten Holztüren. Dennoch streben auch die Menschen hier nach Licht und Erleuchtung. Gesegnet mit Lux im Überfluss, ist es vor allem das geistige Licht, welches sie zu erlangen begehren. Was den Viganellern ihr Spiegel ist, ist den Bewohnern von Bordo ihre Stupa. Umringt von farbigen Gebetsflaggen ragt sie weiss und weise zwischen den grauen Trockensteinmauern hervor. Bordo ist kein gewöhnliches Dorf, es ist eine buddhistische Gemeinschaft. In den achtziger Jahren wurde es als verlassenes Bergdorf von einer Gruppe gesellschaftsmüder Aussteiger aus den Nachbarsländern gefunden und in eine Kommune mit buddhistischer spiritueller Grundausrichtung umfunktionalisiert. Seither hat es da Frauen, die Mantras auf tibetanisch vorsingen und durch Muscheln pfeifen, weissgekleidete Männer mit langen grauen Haaren und seeligem Blick und einen Lama, der Luigi heisst. Bordo ist Mitglied einer internationalen Organisation buddhistischer Zentren, welche sich „Bodhi Path“ nennt. Übersetzt heisst das so viel wie „Weg der Erleuchtung“. Im Unterscheid zur christlichen Erleuchtungserfahrung, welche als Vereinigung mit Gott, als Unio mystica dargestellt wird, kann der Buddhist die Erleuchtung ohne Existenz eines Gottes erlangen. Er muss bloss die Ursachen des eigenen Leidens aus seinem Geist entfernen. Natürlich ist dieses Unterfangen nicht ganz so einfach. Felice, ein charismatischer Mann schweizerischer Herkunft, arbeitet seit 31 Jahren hier in Bordo an seiner persönlichen Erleuchtung. Menschenscheu und verwildert huscht er durch eine der kleinen Gassen. Sprechen tut er nicht so gern und deshalb übernimmt Edith den kommunikativen Teil. Sie ist seit 9 Jahren hier und ist neben Felice die einzige, welche auch die Wintermonate in Bordo verbringt. Sie erzählt von ihrem gemeinnützigen Verein „Amici a Bordo“, welcher unter anderem das soziale, künstlerische und spirituelle Wachsen sowohl der Bewohner als auch der Besucher von Bordo fördern möchte.
Der Zufall will es, dass heute einer dieser Besucher Pierfranco Midali ist. Ein 47-jähriger Italiener dessen kindliche Umtriebigkeit selbst Peter Pan verblüffen dürfte. Er ist nicht zum wachsen gekommen, sondern um sein leicht eingerostetes Französisch im Dialog mit Edith etwas aufzufrischen. In 3 Tagen kämen französische Journalisten und dann müsse er bereit sein, sagt er mit leuchtenden Augen. Midali ist ehemaliger Bürgermeister von Viganella und Vater des Spiegelprojekts. Von der anfänglichen Idee bis zur Inbetriebnahme des Spiegels geschah alles unter seiner Führung. Die Einladung, ihn in seiner Wohnung zu besuchen, nehme ich dankend an.


Ein Dorf von Depressiven?


„Franco“ ruft Midalis Frau und bittet ihn das grosse, mit rotem Samt eingefasste Buch auf die Seite zu legen. Es sei jetzt Zeit für Kaffee. Sie bringt die Espressi und eine Korbflasche mit lokalem Grappa. Die Wohnung des Bürgermeisters liegt gleich neben der Piazza in Viganella. Das Haus ist in optimistischem Rosa gehalten. Im Inneren flackert ein schwaches Feuer in einem dieser modernen Gusseisenöfen und über der etwas in die Tage gekommenen Couch stappeln sich bunte Stofftiere. Midali schiebt die Kaffeetassen zur Seite, holt das Buch wieder hervor, schlägt es auf und beginnt zu erzählen. Die ganze Medienpräsenz des Spiegelprojekts sei in diesem Buch gesammelt. Das Buch ist mehrere hundert Seiten dick. Er zeigt auf einen Artikel, in welchem ein gewisser Professor Pagnamenta, Kinderarzt und praktizierender Farbpunkteur erwähnt wird. Dieser Professor habe ihm eine seiner Studien zum Thema Lichtmangel geschickt. Lichtmangel kann erwiesenermassen zu vorübergehenden depressiven Störungen führen. In der Psychopathologie werden dafür oft die Begriffe SAD (Seasonal Affectiv Dissorder) oder Herbst/Winterdepression verwendet. Sonnenlicht hat einen immensen Einfluss auf den Melatoninspiegel und somit auf die gesamte Chronobiologie eines Menschen. Das blaue Spektrum des Sonnelichts aktiviert beim Auftreffen auf die Netzhaut Rezeptoren, welche ihrerseits die Melatoninausschüttung hemmen. Melatonin ist das „Müdigkeitshormon“. Wer also wenig Sonne sieht, hat einen hohen Melatoninspiegel und fühlt sich daher ständig müde und matt. Auf Pierfranco Midali trifft dies in keinster Weise zu. Er scheint bis obenhin vollbepackt mit Lebensfreude und inbrünstigem Optimismus. Die Suche nach therapeutischen Tageslichtlampen und Lichtweckern dürfte aber auch in den anderen Häusern Viganellas erfolglos verlaufen. „Die Menschen hier sind nicht trauriger als anderswo“ sagt Midali „und wenn sie die Sonne zu sehr vermissen, dann steigen sie einfach die Hänge hoch, bis sie die Schattengrenze passiert haben.“


Finale Erleuchtung


„Der tatsächliche Nutzen des Spiegels ist beschränkt, das wussten wir schon immer“ konstatiert der Bürgermeister. Behutsam, als wären die Seiten aus sprödem Pergament, blättert er weiter in seinem Buch. „Eine der ersten internationalen Zeitungen, die über unser Projekt berichtete, war der Guardian“, bemerkt er stolz und deutet auf den Artikel. Mit jeder Seite, die Midali umblättert, wird klarer, worum es in dem Spiegelprojekt eigentlich ging. CNN, Herald Tribune, Time Magazine, Süddeutsche Zeitung, der spanische Botschafter, holländische Fotografen, tschechische Zeitungen und japanische Fernsehteams. Sie alle waren hier und haben berichtet. Die Journalisten der BBC haben sogar einen Helikopter gemietet und sich zum Spiegel hochfliegen lassen. „Wir wollten Viganella in der Welt bekannt machen“, sagt Midali und zeigt auf ein Pressefoto, auf welchem er neben einer iranischen Al-Jazeera Journalistin stehend in die Kamera strahlt. „Aber wir wollten vor allem den Menschen hier in Viganella die Welt zeigen. Es ging mir um den Diskurs, um den kulturellen Austausch“, sagt er und erzählt, wie faszinierend es gewesen sei, den japanischen Journalisten beim Schreiben zu zuschauen. „Ich wollte die verschiedenen Kulturen der Welt nach Viganella bringen. Den Leuten hier zeigen, dass es andere Menschen mit anderen Ideen, Vorstellungen und Lebensentwürfen gibt“. „Das klingt nach Erleuchtung“, sage ich, „Erleuchtung, genau, es geht um Erleuchtung!“ wiederholt Midali und stösst einen dieser verrückten Lacher aus, die einem ermutigen, ausserhalb der Normen zu denken und Dinge zu versuchen, welche auf den ersten Blick fantastisch und unrealistisch erscheinen. Ob er irgendwo ähnliche Projekte gefunden habe, von denen er sich habe inspirieren lassen können, frage ich abschliessend. Er habe nur ein vergleichbares Projekt gefunden, bei welchem Sonnenlicht gespiegelt wird, sagt er, „Nel Topolino“, in einem Micky Mouse-Heft.


PDF Download



<< zurück


 

LOTTO Magazin, Reportage, Juli 2011, Print


Illuminati


Ein mittelalterliches Sprichwort behauptet, Gott lasse die Sonne gleichmässig über Gerechte und Ungerechte scheinen. Wer auch immer das gesagt hat, hat Viganella wohl vergessen. Eine Geschichte über Schatten, Licht und die menschliche Suche nach Erleuchtung.


Von Adrian Witschi
(Deutsche Originalfassung)


Viganella ist ein kleines, dunkles Bergdorf im nördlichen Piemont. Erleuchtete Menschen erwartet man hier wahrlich nicht. Umringt von bis zu tausend Meter hohen Bergflanken fristen die knapp 200 Einwohner Viganellas vom 11. November bis zum 2. Februar jeden Jahres ein beängstigendes Schattendasein. Während 83 Tagen erreicht kein einziger Sonnenstrahl die alten Steinmauern der rührenden Rusticohäuser.


Die Gnadensonne


Dem war zumindest bis am 17. Dezember 2006 so. An besagtem Tag erlöste ein kleines Mädchen namens Alba (dt.: Morgendämmerung) die bleichen Dorfbewohner aus ihrer Schattenexistenz. Blass und schüchtern stand sie auf der überfüllten Piazza, schielte erwartungsvoll unter ihrer regenbogenfarbenen Strickmütze hervor und betätigte den Hauptschalter des Computers, welcher fortan den Spiegel lenken würde. Dieser Spiegel ist aus rostfreiem Stahl, 8 mal 5 Meter gross und befindet sich auf einem Bergrücken nördlich von Viganella. Gesteuert durch den oben erwähnten Rechner, folgt er täglich dem Lauf der Sonne und spiegelt nun seit gut 4 Jahren ihr Licht auf den Dorfplatz hinunter. 100'000 Euro hat diese materialisierte Erleuchtung gekostet und bezahlt haben sie vor allem lokale Banken. In den Medien finden sich diverse Bilder, auf welchen vergnügte Menschen mit dicken, schwarzen Sonnebrillen auf der Piazza sitzend ins gespiegelte Sonnenlicht lächeln. Vor Ort bietet sich einem ein anderes Bild. Der Dorfplatz ist wie leergefegt und das reflektierte Licht kalt, milchig und lieblos. Schaut man zum Spiegel hoch, wird man das Gefühl nicht los, irgendein übelgesinnter Bergriese zünde einem mit einer überdimensionierten Taschenlampe in die werten Augen. Von der „merklichen Erwärmung des Platzes“, wie sie auf Wikipedia angepriesen wird, ist ebenfalls wenig zu spüren. Sergio Bionda, Pensionär und leidenschaftlicher Ziegenhalter, ist seit 52 Jahren Einwohner von Viganella. Er misst regelmässig die Temperatur auf dem erhellten Platz und auch er konnte bis anhin keine nennenswerte Erwärmung feststellen. Dennoch freut er sich über den Spiegel und das wenige Licht, welches dieser ins dunkle Dorf bringt. Wieso genau, kann er nicht sagen. Viel scheint sich im Alltag der Viganeller seit Errichtung des Spiegels nicht verändert zu haben. Auch Maria Teresa, eine ortsansässige Hausfrau wirkt entgegen ihrem epochalen Namen nicht allzu euphorisch. Eine gute Sache sei es schon, es kämen jetzt mehr Touristen hierhin, räsoniert sie. Weder in ihrem täglichen Leben noch in der Dorfstruktur hätte sich aber allzu viel verändert.


Licht als Leben


Das Spiegelprojekt mag wohl praktische Motivationen gehabt haben. Der Bekanntheitsgrad des Dorfes sollte zunehmen, das soziale Leben im Ort während den Wintermonaten aufgefrischt und die Lebensqualität der Einheimischen verbessert werden. Auf einer etwas abstrakteren Ebene steht das Ganze jedoch in der religions- und philosophiegeschichtlichen Tradition des Strebens der Menschen nach Licht. Sonnenverehrungen waren fester Bestandteil zahlreicher alter Kulturen. Von den Ägyptern und Persern über die Mayas und Inkas bis hin zu den Kelten und Germanen. Sie alle wussten um die schöpferische Kraft des Sonnenlichtes und beteten folgerichtig um die Gunst des feurigen Sterns. Der altägyptische Pharao Echnaton ging dabei sogar soweit, dass er die bis dahin anerkannte Existenz eines Gegenspielers zum Sonnengott Aton vehement negierte. Er liess den Namen Amun, Gott der Finsternis, im ganzen Land ausmeisseln. Zwar wurde die Verehrung der Sonne in der Bibel verboten, doch ihr Licht, verstanden als Werk Gottes, spielt auch im Christentum seit jeher eine wichtige Rolle. Gleich nach Himmel und Erde schuf Gott Licht und er „sah, dass das Licht gut war.“ Das neue Testament leuchtet ebenfalls an allen Ecken und Enden. Sowohl im Text als auch in der religiösen Historienmalerei wird Jesus oft als Licht dargestellt. Doch nicht nur Priester und Gläubige, sondern auch Philosophen und Literaten streben traditionellerweise nach Licht. Thematisiert wird bei ihnen jedoch nicht mehr das natürliche Licht (Lux), sondern das geistige (Lumen). Kant und Lessing sprachen im Zuge der Aufklärung vom „Licht der Erkenntnis“ und manch anderem hellen Denkerkopf ist in seiner dunklen Stube über verstaubten Büchern ein Licht aufgegangen. Die Menschen begehren das Licht! Licht ist Leben, Schöpfung, Orientierung und Wahrheit. Mit ihrem Spiegel haben die Viganeller versucht, diesen Werten einen Schritt näher zu kommen.


Bordo, Buddhisten und der Bürgermeister


Der Pfad von Viganella nach Scajola, wo der Spiegel auf einem Felsvorsprung thront, ist alt, steinig und nur zu Fuss begehbar. Feuersalamander jagen Smaragdeidechsen, die Bäume erinnern an Fabelwesen und bei Sonnenuntergang meint man hören zu können, wie sich Gandalf und Harry Potter gute Nacht sagen. Hier, am vermeintlichen Ende der Welt und auf halbem Weg nach Scajola, liegt Bordo. Das kleine Dorf besteht aus knapp 20 Natursteinhäusern und einer im Zerfallen begriffenen, entweihten Kirche. Schmiedeiserne Türriegel erinnern an die Zeit der Meiler und Schmelzöfen, in welchen hier während Jahrhunderten erfolgreich Eisen gewonnen wurde. Bordo befindet sich – im Gegensatz zu Viganella – oberhalb der Schattengrenze und an klaren Wintertagen zeichnet die Sonne bis spät am Nachmittag verlebte Schattengesichter auf die zerfurchten Holztüren. Dennoch streben auch die Menschen hier nach Licht und Erleuchtung. Gesegnet mit Lux im Überfluss, ist es vor allem das geistige Licht, welches sie zu erlangen begehren. Was den Viganellern ihr Spiegel ist, ist den Bewohnern von Bordo ihre Stupa. Umringt von farbigen Gebetsflaggen ragt sie weiss und weise zwischen den grauen Trockensteinmauern hervor. Bordo ist kein gewöhnliches Dorf, es ist eine buddhistische Gemeinschaft. In den achtziger Jahren wurde es als verlassenes Bergdorf von einer Gruppe gesellschaftsmüder Aussteiger aus den Nachbarsländern gefunden und in eine Kommune mit buddhistischer spiritueller Grundausrichtung umfunktionalisiert. Seither hat es da Frauen, die Mantras auf tibetanisch vorsingen und durch Muscheln pfeifen, weissgekleidete Männer mit langen grauen Haaren und seeligem Blick und einen Lama, der Luigi heisst. Bordo ist Mitglied einer internationalen Organisation buddhistischer Zentren, welche sich „Bodhi Path“ nennt. Übersetzt heisst das so viel wie „Weg der Erleuchtung“. Im Unterscheid zur christlichen Erleuchtungserfahrung, welche als Vereinigung mit Gott, als Unio mystica dargestellt wird, kann der Buddhist die Erleuchtung ohne Existenz eines Gottes erlangen. Er muss bloss die Ursachen des eigenen Leidens aus seinem Geist entfernen. Natürlich ist dieses Unterfangen nicht ganz so einfach. Felice, ein charismatischer Mann schweizerischer Herkunft, arbeitet seit 31 Jahren hier in Bordo an seiner persönlichen Erleuchtung. Menschenscheu und verwildert huscht er durch eine der kleinen Gassen. Sprechen tut er nicht so gern und deshalb übernimmt Edith den kommunikativen Teil. Sie ist seit 9 Jahren hier und ist neben Felice die einzige, welche auch die Wintermonate in Bordo verbringt. Sie erzählt von ihrem gemeinnützigen Verein „Amici a Bordo“, welcher unter anderem das soziale, künstlerische und spirituelle Wachsen sowohl der Bewohner als auch der Besucher von Bordo fördern möchte.
Der Zufall will es, dass heute einer dieser Besucher Pierfranco Midali ist. Ein 47-jähriger Italiener dessen kindliche Umtriebigkeit selbst Peter Pan verblüffen dürfte. Er ist nicht zum wachsen gekommen, sondern um sein leicht eingerostetes Französisch im Dialog mit Edith etwas aufzufrischen. In 3 Tagen kämen französische Journalisten und dann müsse er bereit sein, sagt er mit leuchtenden Augen. Midali ist ehemaliger Bürgermeister von Viganella und Vater des Spiegelprojekts. Von der anfänglichen Idee bis zur Inbetriebnahme des Spiegels geschah alles unter seiner Führung. Die Einladung, ihn in seiner Wohnung zu besuchen, nehme ich dankend an.


Ein Dorf von Depressiven?


„Franco“ ruft Midalis Frau und bittet ihn das grosse, mit rotem Samt eingefasste Buch auf die Seite zu legen. Es sei jetzt Zeit für Kaffee. Sie bringt die Espressi und eine Korbflasche mit lokalem Grappa. Die Wohnung des Bürgermeisters liegt gleich neben der Piazza in Viganella. Das Haus ist in optimistischem Rosa gehalten. Im Inneren flackert ein schwaches Feuer in einem dieser modernen Gusseisenöfen und über der etwas in die Tage gekommenen Couch stappeln sich bunte Stofftiere. Midali schiebt die Kaffeetassen zur Seite, holt das Buch wieder hervor, schlägt es auf und beginnt zu erzählen. Die ganze Medienpräsenz des Spiegelprojekts sei in diesem Buch gesammelt. Das Buch ist mehrere hundert Seiten dick. Er zeigt auf einen Artikel, in welchem ein gewisser Professor Pagnamenta, Kinderarzt und praktizierender Farbpunkteur erwähnt wird. Dieser Professor habe ihm eine seiner Studien zum Thema Lichtmangel geschickt. Lichtmangel kann erwiesenermassen zu vorübergehenden depressiven Störungen führen. In der Psychopathologie werden dafür oft die Begriffe SAD (Seasonal Affectiv Dissorder) oder Herbst/Winterdepression verwendet. Sonnenlicht hat einen immensen Einfluss auf den Melatoninspiegel und somit auf die gesamte Chronobiologie eines Menschen. Das blaue Spektrum des Sonnelichts aktiviert beim Auftreffen auf die Netzhaut Rezeptoren, welche ihrerseits die Melatoninausschüttung hemmen. Melatonin ist das „Müdigkeitshormon“. Wer also wenig Sonne sieht, hat einen hohen Melatoninspiegel und fühlt sich daher ständig müde und matt. Auf Pierfranco Midali trifft dies in keinster Weise zu. Er scheint bis obenhin vollbepackt mit Lebensfreude und inbrünstigem Optimismus. Die Suche nach therapeutischen Tageslichtlampen und Lichtweckern dürfte aber auch in den anderen Häusern Viganellas erfolglos verlaufen. „Die Menschen hier sind nicht trauriger als anderswo“ sagt Midali „und wenn sie die Sonne zu sehr vermissen, dann steigen sie einfach die Hänge hoch, bis sie die Schattengrenze passiert haben.“


Finale Erleuchtung


„Der tatsächliche Nutzen des Spiegels ist beschränkt, das wussten wir schon immer“ konstatiert der Bürgermeister. Behutsam, als wären die Seiten aus sprödem Pergament, blättert er weiter in seinem Buch. „Eine der ersten internationalen Zeitungen, die über unser Projekt berichtete, war der Guardian“, bemerkt er stolz und deutet auf den Artikel. Mit jeder Seite, die Midali umblättert, wird klarer, worum es in dem Spiegelprojekt eigentlich ging. CNN, Herald Tribune, Time Magazine, Süddeutsche Zeitung, der spanische Botschafter, holländische Fotografen, tschechische Zeitungen und japanische Fernsehteams. Sie alle waren hier und haben berichtet. Die Journalisten der BBC haben sogar einen Helikopter gemietet und sich zum Spiegel hochfliegen lassen. „Wir wollten Viganella in der Welt bekannt machen“, sagt Midali und zeigt auf ein Pressefoto, auf welchem er neben einer iranischen Al-Jazeera Journalistin stehend in die Kamera strahlt. „Aber wir wollten vor allem den Menschen hier in Viganella die Welt zeigen. Es ging mir um den Diskurs, um den kulturellen Austausch“, sagt er und erzählt, wie faszinierend es gewesen sei, den japanischen Journalisten beim Schreiben zu zuschauen. „Ich wollte die verschiedenen Kulturen der Welt nach Viganella bringen. Den Leuten hier zeigen, dass es andere Menschen mit anderen Ideen, Vorstellungen und Lebensentwürfen gibt“. „Das klingt nach Erleuchtung“, sage ich, „Erleuchtung, genau, es geht um Erleuchtung!“ wiederholt Midali und stösst einen dieser verrückten Lacher aus, die einem ermutigen, ausserhalb der Normen zu denken und Dinge zu versuchen, welche auf den ersten Blick fantastisch und unrealistisch erscheinen. Ob er irgendwo ähnliche Projekte gefunden habe, von denen er sich habe inspirieren lassen können, frage ich abschliessend. Er habe nur ein vergleichbares Projekt gefunden, bei welchem Sonnenlicht gespiegelt wird, sagt er, „Nel Topolino“, in einem Micky Mouse-Heft.


PDF Download



<< zurück


 

LOTTO Magazin, Reportage, Juli 2011, Print


Illuminati


Ein mittelalterliches Sprichwort behauptet, Gott lasse die Sonne gleichmässig über Gerechte und Ungerechte scheinen. Wer auch immer das gesagt hat, hat Viganella wohl vergessen. Eine Geschichte über Schatten, Licht und die menschliche Suche nach Erleuchtung.


Von Adrian Witschi
(Deutsche Originalfassung)


Viganella ist ein kleines, dunkles Bergdorf im nördlichen Piemont. Erleuchtete Menschen erwartet man hier wahrlich nicht. Umringt von bis zu tausend Meter hohen Bergflanken fristen die knapp 200 Einwohner Viganellas vom 11. November bis zum 2. Februar jeden Jahres ein beängstigendes Schattendasein. Während 83 Tagen erreicht kein einziger Sonnenstrahl die alten Steinmauern der rührenden Rusticohäuser.


Die Gnadensonne


Dem war zumindest bis am 17. Dezember 2006 so. An besagtem Tag erlöste ein kleines Mädchen namens Alba (dt.: Morgendämmerung) die bleichen Dorfbewohner aus ihrer Schattenexistenz. Blass und schüchtern stand sie auf der überfüllten Piazza, schielte erwartungsvoll unter ihrer regenbogenfarbenen Strickmütze hervor und betätigte den Hauptschalter des Computers, welcher fortan den Spiegel lenken würde. Dieser Spiegel ist aus rostfreiem Stahl, 8 mal 5 Meter gross und befindet sich auf einem Bergrücken nördlich von Viganella. Gesteuert durch den oben erwähnten Rechner, folgt er täglich dem Lauf der Sonne und spiegelt nun seit gut 4 Jahren ihr Licht auf den Dorfplatz hinunter. 100'000 Euro hat diese materialisierte Erleuchtung gekostet und bezahlt haben sie vor allem lokale Banken. In den Medien finden sich diverse Bilder, auf welchen vergnügte Menschen mit dicken, schwarzen Sonnebrillen auf der Piazza sitzend ins gespiegelte Sonnenlicht lächeln. Vor Ort bietet sich einem ein anderes Bild. Der Dorfplatz ist wie leergefegt und das reflektierte Licht kalt, milchig und lieblos. Schaut man zum Spiegel hoch, wird man das Gefühl nicht los, irgendein übelgesinnter Bergriese zünde einem mit einer überdimensionierten Taschenlampe in die werten Augen. Von der „merklichen Erwärmung des Platzes“, wie sie auf Wikipedia angepriesen wird, ist ebenfalls wenig zu spüren. Sergio Bionda, Pensionär und leidenschaftlicher Ziegenhalter, ist seit 52 Jahren Einwohner von Viganella. Er misst regelmässig die Temperatur auf dem erhellten Platz und auch er konnte bis anhin keine nennenswerte Erwärmung feststellen. Dennoch freut er sich über den Spiegel und das wenige Licht, welches dieser ins dunkle Dorf bringt. Wieso genau, kann er nicht sagen. Viel scheint sich im Alltag der Viganeller seit Errichtung des Spiegels nicht verändert zu haben. Auch Maria Teresa, eine ortsansässige Hausfrau wirkt entgegen ihrem epochalen Namen nicht allzu euphorisch. Eine gute Sache sei es schon, es kämen jetzt mehr Touristen hierhin, räsoniert sie. Weder in ihrem täglichen Leben noch in der Dorfstruktur hätte sich aber allzu viel verändert.


Licht als Leben


Das Spiegelprojekt mag wohl praktische Motivationen gehabt haben. Der Bekanntheitsgrad des Dorfes sollte zunehmen, das soziale Leben im Ort während den Wintermonaten aufgefrischt und die Lebensqualität der Einheimischen verbessert werden. Auf einer etwas abstrakteren Ebene steht das Ganze jedoch in der religions- und philosophiegeschichtlichen Tradition des Strebens der Menschen nach Licht. Sonnenverehrungen waren fester Bestandteil zahlreicher alter Kulturen. Von den Ägyptern und Persern über die Mayas und Inkas bis hin zu den Kelten und Germanen. Sie alle wussten um die schöpferische Kraft des Sonnenlichtes und beteten folgerichtig um die Gunst des feurigen Sterns. Der altägyptische Pharao Echnaton ging dabei sogar soweit, dass er die bis dahin anerkannte Existenz eines Gegenspielers zum Sonnengott Aton vehement negierte. Er liess den Namen Amun, Gott der Finsternis, im ganzen Land ausmeisseln. Zwar wurde die Verehrung der Sonne in der Bibel verboten, doch ihr Licht, verstanden als Werk Gottes, spielt auch im Christentum seit jeher eine wichtige Rolle. Gleich nach Himmel und Erde schuf Gott Licht und er „sah, dass das Licht gut war.“ Das neue Testament leuchtet ebenfalls an allen Ecken und Enden. Sowohl im Text als auch in der religiösen Historienmalerei wird Jesus oft als Licht dargestellt. Doch nicht nur Priester und Gläubige, sondern auch Philosophen und Literaten streben traditionellerweise nach Licht. Thematisiert wird bei ihnen jedoch nicht mehr das natürliche Licht (Lux), sondern das geistige (Lumen). Kant und Lessing sprachen im Zuge der Aufklärung vom „Licht der Erkenntnis“ und manch anderem hellen Denkerkopf ist in seiner dunklen Stube über verstaubten Büchern ein Licht aufgegangen. Die Menschen begehren das Licht! Licht ist Leben, Schöpfung, Orientierung und Wahrheit. Mit ihrem Spiegel haben die Viganeller versucht, diesen Werten einen Schritt näher zu kommen.


Bordo, Buddhisten und der Bürgermeister


Der Pfad von Viganella nach Scajola, wo der Spiegel auf einem Felsvorsprung thront, ist alt, steinig und nur zu Fuss begehbar. Feuersalamander jagen Smaragdeidechsen, die Bäume erinnern an Fabelwesen und bei Sonnenuntergang meint man hören zu können, wie sich Gandalf und Harry Potter gute Nacht sagen. Hier, am vermeintlichen Ende der Welt und auf halbem Weg nach Scajola, liegt Bordo. Das kleine Dorf besteht aus knapp 20 Natursteinhäusern und einer im Zerfallen begriffenen, entweihten Kirche. Schmiedeiserne Türriegel erinnern an die Zeit der Meiler und Schmelzöfen, in welchen hier während Jahrhunderten erfolgreich Eisen gewonnen wurde. Bordo befindet sich – im Gegensatz zu Viganella – oberhalb der Schattengrenze und an klaren Wintertagen zeichnet die Sonne bis spät am Nachmittag verlebte Schattengesichter auf die zerfurchten Holztüren. Dennoch streben auch die Menschen hier nach Licht und Erleuchtung. Gesegnet mit Lux im Überfluss, ist es vor allem das geistige Licht, welches sie zu erlangen begehren. Was den Viganellern ihr Spiegel ist, ist den Bewohnern von Bordo ihre Stupa. Umringt von farbigen Gebetsflaggen ragt sie weiss und weise zwischen den grauen Trockensteinmauern hervor. Bordo ist kein gewöhnliches Dorf, es ist eine buddhistische Gemeinschaft. In den achtziger Jahren wurde es als verlassenes Bergdorf von einer Gruppe gesellschaftsmüder Aussteiger aus den Nachbarsländern gefunden und in eine Kommune mit buddhistischer spiritueller Grundausrichtung umfunktionalisiert. Seither hat es da Frauen, die Mantras auf tibetanisch vorsingen und durch Muscheln pfeifen, weissgekleidete Männer mit langen grauen Haaren und seeligem Blick und einen Lama, der Luigi heisst. Bordo ist Mitglied einer internationalen Organisation buddhistischer Zentren, welche sich „Bodhi Path“ nennt. Übersetzt heisst das so viel wie „Weg der Erleuchtung“. Im Unterscheid zur christlichen Erleuchtungserfahrung, welche als Vereinigung mit Gott, als Unio mystica dargestellt wird, kann der Buddhist die Erleuchtung ohne Existenz eines Gottes erlangen. Er muss bloss die Ursachen des eigenen Leidens aus seinem Geist entfernen. Natürlich ist dieses Unterfangen nicht ganz so einfach. Felice, ein charismatischer Mann schweizerischer Herkunft, arbeitet seit 31 Jahren hier in Bordo an seiner persönlichen Erleuchtung. Menschenscheu und verwildert huscht er durch eine der kleinen Gassen. Sprechen tut er nicht so gern und deshalb übernimmt Edith den kommunikativen Teil. Sie ist seit 9 Jahren hier und ist neben Felice die einzige, welche auch die Wintermonate in Bordo verbringt. Sie erzählt von ihrem gemeinnützigen Verein „Amici a Bordo“, welcher unter anderem das soziale, künstlerische und spirituelle Wachsen sowohl der Bewohner als auch der Besucher von Bordo fördern möchte.
Der Zufall will es, dass heute einer dieser Besucher Pierfranco Midali ist. Ein 47-jähriger Italiener dessen kindliche Umtriebigkeit selbst Peter Pan verblüffen dürfte. Er ist nicht zum wachsen gekommen, sondern um sein leicht eingerostetes Französisch im Dialog mit Edith etwas aufzufrischen. In 3 Tagen kämen französische Journalisten und dann müsse er bereit sein, sagt er mit leuchtenden Augen. Midali ist ehemaliger Bürgermeister von Viganella und Vater des Spiegelprojekts. Von der anfänglichen Idee bis zur Inbetriebnahme des Spiegels geschah alles unter seiner Führung. Die Einladung, ihn in seiner Wohnung zu besuchen, nehme ich dankend an.


Ein Dorf von Depressiven?


„Franco“ ruft Midalis Frau und bittet ihn das grosse, mit rotem Samt eingefasste Buch auf die Seite zu legen. Es sei jetzt Zeit für Kaffee. Sie bringt die Espressi und eine Korbflasche mit lokalem Grappa. Die Wohnung des Bürgermeisters liegt gleich neben der Piazza in Viganella. Das Haus ist in optimistischem Rosa gehalten. Im Inneren flackert ein schwaches Feuer in einem dieser modernen Gusseisenöfen und über der etwas in die Tage gekommenen Couch stappeln sich bunte Stofftiere. Midali schiebt die Kaffeetassen zur Seite, holt das Buch wieder hervor, schlägt es auf und beginnt zu erzählen. Die ganze Medienpräsenz des Spiegelprojekts sei in diesem Buch gesammelt. Das Buch ist mehrere hundert Seiten dick. Er zeigt auf einen Artikel, in welchem ein gewisser Professor Pagnamenta, Kinderarzt und praktizierender Farbpunkteur erwähnt wird. Dieser Professor habe ihm eine seiner Studien zum Thema Lichtmangel geschickt. Lichtmangel kann erwiesenermassen zu vorübergehenden depressiven Störungen führen. In der Psychopathologie werden dafür oft die Begriffe SAD (Seasonal Affectiv Dissorder) oder Herbst/Winterdepression verwendet. Sonnenlicht hat einen immensen Einfluss auf den Melatoninspiegel und somit auf die gesamte Chronobiologie eines Menschen. Das blaue Spektrum des Sonnelichts aktiviert beim Auftreffen auf die Netzhaut Rezeptoren, welche ihrerseits die Melatoninausschüttung hemmen. Melatonin ist das „Müdigkeitshormon“. Wer also wenig Sonne sieht, hat einen hohen Melatoninspiegel und fühlt sich daher ständig müde und matt. Auf Pierfranco Midali trifft dies in keinster Weise zu. Er scheint bis obenhin vollbepackt mit Lebensfreude und inbrünstigem Optimismus. Die Suche nach therapeutischen Tageslichtlampen und Lichtweckern dürfte aber auch in den anderen Häusern Viganellas erfolglos verlaufen. „Die Menschen hier sind nicht trauriger als anderswo“ sagt Midali „und wenn sie die Sonne zu sehr vermissen, dann steigen sie einfach die Hänge hoch, bis sie die Schattengrenze passiert haben.“


Finale Erleuchtung


„Der tatsächliche Nutzen des Spiegels ist beschränkt, das wussten wir schon immer“ konstatiert der Bürgermeister. Behutsam, als wären die Seiten aus sprödem Pergament, blättert er weiter in seinem Buch. „Eine der ersten internationalen Zeitungen, die über unser Projekt berichtete, war der Guardian“, bemerkt er stolz und deutet auf den Artikel. Mit jeder Seite, die Midali umblättert, wird klarer, worum es in dem Spiegelprojekt eigentlich ging. CNN, Herald Tribune, Time Magazine, Süddeutsche Zeitung, der spanische Botschafter, holländische Fotografen, tschechische Zeitungen und japanische Fernsehteams. Sie alle waren hier und haben berichtet. Die Journalisten der BBC haben sogar einen Helikopter gemietet und sich zum Spiegel hochfliegen lassen. „Wir wollten Viganella in der Welt bekannt machen“, sagt Midali und zeigt auf ein Pressefoto, auf welchem er neben einer iranischen Al-Jazeera Journalistin stehend in die Kamera strahlt. „Aber wir wollten vor allem den Menschen hier in Viganella die Welt zeigen. Es ging mir um den Diskurs, um den kulturellen Austausch“, sagt er und erzählt, wie faszinierend es gewesen sei, den japanischen Journalisten beim Schreiben zu zuschauen. „Ich wollte die verschiedenen Kulturen der Welt nach Viganella bringen. Den Leuten hier zeigen, dass es andere Menschen mit anderen Ideen, Vorstellungen und Lebensentwürfen gibt“. „Das klingt nach Erleuchtung“, sage ich, „Erleuchtung, genau, es geht um Erleuchtung!“ wiederholt Midali und stösst einen dieser verrückten Lacher aus, die einem ermutigen, ausserhalb der Normen zu denken und Dinge zu versuchen, welche auf den ersten Blick fantastisch und unrealistisch erscheinen. Ob er irgendwo ähnliche Projekte gefunden habe, von denen er sich habe inspirieren lassen können, frage ich abschliessend. Er habe nur ein vergleichbares Projekt gefunden, bei welchem Sonnenlicht gespiegelt wird, sagt er, „Nel Topolino“, in einem Micky Mouse-Heft.


PDF Download



<< zurück